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Aufstieg in die Kreisliga durch Spielabsage entschieden

Fußball
Posted by Sven R. (sven rödenbeck) on 15.05.2010
News >> Fußball

Durch den Nichtantritt des TSV Asendorf beim SV Jura Eydelstedt stehen diese als Aufsteiger fest. Hier ein Pressebericht aus der Kreiszeitung vom 15.05.2010:
Asendorfs Absage mit bitterem Beigeschmack

SV Eydelstedt lehnt Spielverlegung ab

DIEPHOLZ (ees) Das heutige Spiel der Fußball-Kreisliga A zwischen dem SV Jura Eydelstedt und dem TSV Asendorf ist von den Asendorfern abgesagt worden und hat zu einigen Spannungen zwischen den Vereinen geführt. Hintergrund: Weil die Asendorfer heute nach Hannover zur Hochzeit eines Mitspielers reisen müssen, bemühten sie sich frühzeitig um eine Verlegung des Spiels.

Doch aus personellen Gründen und wegen des Schützenfestes im nahe gelegenen Donstorf, wo mehrere Spieler des Eydelstedter Teams wohnen, konnte deren Vorstand nur eine frühere Anstoßzeit am Samstag anbieten. „Eine Verlegung auf Wochentage ist nicht möglich, da dort immer Spieler fehlen“, sagt SV-Trainer Dennis Promann.

Wegen der langen Anreise aber würde Asendorf eine frühere Anstoßzeit nichts bringen. Also sollte eigentlich die zweite Mannschaft nach Eydelstedt reisen. Doch die darf nicht. Das jedenfalls besagt § 10 Anhang 4 der Spielordnung des NFV. Und da auch ein Anhängen an die Saison laut Spielordnung nicht möglich ist, haben die Asendorfer durch Spartenleiter Fred Mohrmann inzwischen die Gastgeber informiert, dass sie heute nicht antreten werden.

Fans beider Vereine können sich also etwas anderes vornehmen. Sauer reagiert allerdings die Liga-Konkurrenz. „Das machen die Eydelstedter doch nur, weil sie mit diesen drei Punkten als Aufsteiger feststehen“, so ein Kicker eines anderen A-Ligisten, der nicht genannt sein möchte. Sein Kommentar: „Unser Vorstand hat schon gesagt, dass sich Eydelstedt bei uns nicht mehr melden muss, wenn sie mal ein Spiel verlegen wollen.“

Die Schuld wird ja auch hier dem §10 Anhang 4 gegeben, dazu ein weiterer Bericht aus der Kreiszeitung vom 15.05.2010:

Die großen Tücken des Kleingedruckten

Spielabsagen wegen Änderung der Spielordnung / „Regelung nicht zu Ende gedacht“

 

Grund: Der seit einem Jahr gültige Paragraph 10, Anhang 4 der Spielordnung des Niedersächsischen Fußball-Verbands. Der besagt nämlich: „Werden Amateure ... in einem der letzten vier Punktspiele ... beziehungsweise Pokalspiel des Spieljahres in einer höheren Mannschaft eingesetzt, dürfen sie ab diesem Zeitpunkt an den Pflichtspielen einer unteren Mannschaft bis zum Ende des Spieljahres nicht mehr teilnehmen.“

Was das in der Praxis bedeutet, wird in diesen Tagen deutlich, denn nachdem bereits am Mittwoch das Kreisligaspiel zwischen dem TuS Lemförde und dem SV Lessen abgesagt werden musste, weil Lemförde aufgrund dieses Paragraphen seine Mannschaft nicht aus der zweiten Mannschaft auffüllen konnte, so trifft dies an diesem Wochenende auch den TSV Neubruchhausen (gegen TuS

St. Hülfe-Heede) und in der Kreisliga A den TSV Asendorf, der sein Spiel in Eydelstedt bereits abgesagt hat.

Spielleiter Michael Steen kennt das Problem, ist jedoch machtlos: „Das ist nun mal die gültige Spielordnung, als das letztes Jahr beschlossen wurde, hat sich niemand beschwert.“ Vermutlich, weil sich niemand die Bedeutung dieses Absatzes verinnerlicht hat und die Folgen, die daraus entstehen. Andreas Siegmann, Spartenleiter des SV Mörsen-Scharrendorf, meint dazu: „Die Grundidee ist ja in Ordnung, aber die Regelung ist nicht zu Ende gedacht. Man wollte verhindern, dass Spieler oberer Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, untere Mannschaften verstärken. Doch nun können nicht mal die Ergänzungsspieler von unten nach oben auffüllen, wenn uns beispielsweise in der Ersten durch Verletzungen Spieler ausfallen, weil sie anschließend bis Saisonende nicht mehr in ihrer eigentlichen Mannschaft spielen dürfen. Das ist doch nicht förderlich“, so Siegmann, der also derzeit seine um den Aufstieg spielende Erste nur durch Altherrenspieler auffüllen könnte, die von der Regelung nicht betroffen sind.

 


Steen wird nicht zu

 


Sherlock Holmes

Dass mit diesem Absagen-Chaos niemand gedient ist, weiß auch Spielleiter Steen: „Auch in anderen Kreisen ist diese Regelung umstritten, wir haben daher auf der Tagung der Spielleiter in dieser Woche den NFV-Vorstand aufgefordert, eine Ergänzung zu diesem Paragraphen einzufügen, die ab der Kreisliga dem jeweiligen NFV-Kreis erlaubt, diesen Paragraphen gegebenenfalls außer Kraft zu setzen. Dies wird aber frühestens zur neuen Saison gelten“, so Steen.

Dies bedeutet für die betroffenen Mannschaften, dass sie neben den Punkten auch noch Geld verlieren, denn die in der Strafordnung vorgesehene Geldstrafe für Nichtantreten wird natürlich auch fällig. Doch zumindest in einem Punkt konnte Steen die aufgeregten Gemüter beruhigen: „Wir werden keine Detektivspiele veranstalten und dutzende Spielberichte abgleichen“, so Steen zur Angst vieler Vereine, die in Unkenntnis des besagten Paragraphen-Anhangs in der vergangenen Woche sehr wohl wieder Spieler in unteren Mannschaften einsetzten, die zuvor aushilfsweise nach oben „befördert“ waren.

„Sollte allerdings ein gegnerischer Verein dies nachträglich reklamieren, müsste der Spielausschuss allerdings tätig werden“, sagt Steen abschließend.

 

Und noch ein Kommentar von Jörg Beese aus der Kreiszeitung vom 15.05.2010:

Spielabsagen


Verband nicht allein schuld

 

Nun geht sie los, die Suche nach den Schuldigen. Wer hat es denn nun zu verantworten, dass plötzlich Spiele aus heiterem Himmel abgesagt werden müssen, weil man keine Spieler von unten nach oben mehr nachführen darf. Dem beschließenden Verband die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist einfach, aber unfair. Denn die Modifizierungen sollten ja erreichen, dass zum Saisonende die Chancengleichheit gewahrt bleibt. Nur hat man offensichtlich nicht in letzter Konsequenz bedacht, was dies auf Kreisebene bedeutet. Und dies am Ende einer Saison, wo ja bekanntlich immer die meisten Entscheidung fallen.

Also wären die NFV-Kreise in der Pflicht gewesen, ihren Clubs auf den Kreistagen nicht nur beiläufig mitzuteilen, dass es diese Änderung gibt, sondern sie auch auf die exemplarische Bedeutung zum Saisonende hinzuweisen. Diesen Schuh muss sich der Spielleiter wohl anziehen.

Den weitaus größeren Stiefel allerdings haben die Vereine selbst zu schultern. Denn mal ehrlich: Wer liest sich denn wirklich intensiv die Paragraphen-Orgien durch, die jedes Jahr aufs Neue auf die Vereine einprasseln? „Das wird schon alles seine Richtigkeit haben“, denkt man gar nicht mehr über etwaige Konsequenzen nach. Klassischer Fall von „Denkste“!

So unsinnig und Fußball-feindlich der Anhang 4 in dieser speziellen Auslegung auch sein mag, so fahrlässig haben sich auch einige Vereins-Funktionäre verhalten. Die Kreise haben bereits auf Nachbesserung zur kommenden Saison gedrängt. Und Spielleiter Michael Steen hat diese auch schon in Aussicht gestellt. Gut so, aber leider für diese Saison zu spät. In Zukunft werden die Änderungen der Spielordnung vermutlich wieder intensiver gelesen.

Lernziel erreicht, setzen!

Jörg Beese

So weit, so gut, jetzt noch ein paar Anmerkungen:

Unsere 1.Herren darf heute (15.05. für alle die es nicht wissen, heute findet das Pokalendspiel um 20:00 Uhr statt) um 18:00 Uhr in Wetschen (bei Diepholz) antreten, übrigens konnte man auch in Wetschen einer Spielverlegung nicht zustimmen. Wetschen II spielt noch gegen den Abstieg, sollten wir vielleicht auch nicht antreten... Da würde man sich sicher in Sulingen freuen... Keine Sorge, wir werden nach Wetschen fahren und hoffentlich auch gewinnen, um anschließend in der Dorfschänke Fußball zu gucken. Jetzt wieder zurück zum §10, der geht aus meiner Sicht völlig in Ordnung, da man sich vorher immer darüber aufgeregt hat, das Vereine mit höher spielenden 1.Herrenmannschaften zum Saisonende die abstiegsbedrohte 2.Herren verstärkte. Allerdings hätte man vom Verband stärker auf diese Änderung hinweisen müssen!

Die Vereine und besonders die Spieler sollten sich mal überlegen, ob sie wirklich Lust haben an einer Mannschaftssportart mit geregeltem Spielbetrieb teilzunehmen, oder ob sie nicht lieber in einer Hobbyliga spielen möchten....

Ein bekannter Trainer aus dem Kreis sagte bereits vor 2 Jahren, "die Kreisliga ist doch eine Kneipenliga", irgendwie hat er schon recht gehabt. Die Vereine sollten sich vielleicht auch überlegen, ob es Sinn macht, die Anzahl der Mannschaften künstlich hoch zu halten, da es heutzutage nicht mehr ausreicht einen Kader von 18 Spielern zu haben, man braucht teilweise mehr als 30 Spieler pro Saison, um den Spielbetrieb aufrecht zu halten.

Also herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg nach Eydelstedt, aber ihr hättet es auch so geschafft, in diesem Sinne ein schönes Wochenende.

Sven Rödenbeck

Last changed: 15.05.2010 at 10:45:30

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